FEUERATEM

Eine Anleitung zum Erlernen des Feueratems

Feueratem, der Schlüssel zum wachen Geist

Feueratem hört auf einen besonderen Spitznamen, Kapalabhati-Atmung. Kapalabhati stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „den Schädel zum Leuchten bringen“. Und genau darauf kommt es bei der Technik an. Die pulsierende Atmung, schneller und leichter als ihr Pendant im Hatha Yoga, strebt nach einem klaren und wachen Geist. Unser Kopf soll leuchten, seinen Horizont erweitern.

Was aber hat die Atmung nun mit Feuer zu tun? Mit Feuer direkt hat sie nichts zu tun. Vielmehr nimmt sie Bezug auf die Nabelregion der Agni, den sogenannten Feuerbereich des Körpers. Die kräftige An- und Entspannung der Bauchmuskulatur soll die Feuerregion in Schwung bringen.

Wie du den Feueratem erlernen kannst:

Was ist das Besondere am Feueratem? Es ist die Konzentration aufs Hier und Jetzt, auf den Moment. Wir geben uns ganz uns selbst hin. Entspannt und achtsam verlieren wir uns im Augenblick.

Der erste Schritt zur Tiefenentspannung ist ein bequemer Sitz. Als gemütliche Wahl entpuppt sich der Schneidersitz, halbe oder volle Lotussitz – aufrecht der Rücken, die Schultern nach hinten, das Brustbein weit geöffnet, die Augen geschlossen.

Beim Ausatmen setzen wir auf Dynamik und Energie. Kraftvoll stoßen wir die Luft durch die Nase aus und forcieren zusätzlich die Kontraktionen der Bauchmuskulatur im Bereich des Zwerchfells. Den Mund lassen wir dabei geschlossen. Was sich in der Theorie kompliziert anhört, ist in der Praxis ganz einfach. Schon nach den ersten Atemzügen stellt sich eine natürliche Bewegung ein. Schritt für Schritt fühlt sich das Atmen leichter und fließender an.

Beim Einatmen dominiert die Entspannung. Passiv nehmen wir frische Luft in uns auf. Die oberen Bauchmuskeln lockern sich, das Zwerchfell sinkt nach unten. Wie von selbst nimmt das Einatmen seinen Lauf. Der Brustkorb ist leicht angehoben, aber trotzdem entspannt. Dasselbe gilt für Arme, Füße, Gesicht und Unterleib. Atmen wir richtig, verharren wir in gelöster Position.

Lasse dich langsam auf die Übung ein. Wiederhole die Technik 1 bis 3 Minuten. Nimm die Veränderungen im Körper bewusst wahr. Spüre, wie sich die Bauchmuskeln nach der Kontraktion sanft wieder lösen. Nach und nach kannst du dich auf 3 bis 7 Minuten steigern. Am Ende der Übung atme tief ein und halte den Atem für 10 bis 60 Sekunden an. Spüre, wie die Energie durch den Körper fließt. Bemerkst du eine gewisse Kurzatmigkeit, Benommenheit oder Schwindelgefühle während der Übung? Verlangsame deinen Rhythmus, achte auf eine ausgeglichene ein und Ausatmung.

Die drei häufigsten Fehler beim Feueratmen

Paradoxes Atmen

Auch die Atmung kann paradox sein. Ziehen Menschen beim Einatmen den Bauchnabel ein, bremsen sie die Sauerstoffzufuhr anstatt sie anzuregen. Sie erreichen genau das Gegenteil von dem was sie wollen – deshalb auch paradoxes Atmen. Gerade belastete Seelen und Raucher neigen zu dem ungesunden Atemmuster. Dabei lässt sich die Technik mühelos in die richtige Richtung lenken: Lege eine Hand auf die Brust, die andere auf den Bauch. Nun führe langsam und bewusst die rhythmischen Bewegungen des Feueratmens durch. Ein belebender Energiehub erwartet dich.

Übertriebene Bauchbewegungen

Bitte nicht verwechseln: Feueratmen ist keine Blasebalg-Atmung. Übertriebenes Ein- und Ausatmen erzielt nicht den ersehnten vitalisierenden Effekt. Die wohltuende Atmung entsteht höher, genau genommen in der Nähe des Solarplexus (Sonnengeflecht). So gilt das Prinzip „weniger ist mehr„.

Unausgeglichene Atmung

Feueratem lebt von seiner gleichmäßigen Ein- und Ausatmung. Und genau diese Ausgewogenheit bringt viele Yogis aus dem Konzept. Gerade Anfänger verlieren den harmonischen Rhythmus schnell aus den Augen. Die Lösung des Problems: Mache es einmal gründlich falsch. Atme in einer Abfolge mehr ein als aus. Im Nu bekommst du das Ungleichgewicht zu spüren. Bereits nach 30 Sekunden nimmst du eine unangenehme Schwäche, Erschöpfung, Zerstreutheit und Depression wahr. Kehre den Zustand um. Achte auf eine gleichmäßige Atmung und lasse die neu gewonnene Energie und Dynamik auf sich wirken.

Was macht Feueratmen mit Körper und Geist? 

Feueratmen ist ein Multitalent. Körper wie Geist schwören auf die belebende Wirkung. Nicht aber nur für Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse und Bauchmuskulatur ist die Atemtechnik ein sanfter Booster. Auch die Verdauung freut sich über die schnellen pulsierenden Bewegungen. Giftstoffe und überschüssige Luft verabschieden sich. Derweil genießen Herz, Zwerchfell und die inneren Organe eine wohltuende Massage.
Sauerstoff flutet den Organismus, pumpt frisches Prana in die Zellen. Sanft rüttelt Feueratmen das Zentrale Nervensystem wach. Wir fühlen uns klar und fit. Vitalisierende Frische rauscht durch Ida und Pingala, die zwei Haupt-Energiezentren des Körpers (Nadis). Unsere Sinne sind geschärft, die Konzentration aktiviert. Für jede Herausforderung fühlen wir uns gerüstet.

Wem ist vom Feueratmen abzuraten?

Während der Schwangerschaft und Menstruation ist vom Feueratmen abzuraten. Besondere Vorsicht ist auch bei Epilepsie, Bluthochdruck, Schlaganfall, Schwindel, chronischen Lungenerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Störungen geboten. Der Wechsel aus An- und Entspannung kann dem geschwächten Organismus unnötig zur Last fallen.